Mittwoch, 7. August 2013

„Komm wir fahren nach Amsterdam...“ - von Grachten, Window-shopping und Marihuana

Den heutigen, letzten Tag unserer Reise verbrachten wir in Amsterdam. Wir hatten uns schon sehr zeitig den Wecker gestellt, um die Durchfahrt der Carnival Legend durch die Ijmuiden-Schleuse an der Spitze von Holland zu sehen. Blöd nur, dass wir den Wecker nicht auf „Schlummern“ sondern aus gestellt haben und nur Steffi gerade so noch die Ausfahrt aus der Schleuse sah! Aber es gab ja noch die Rücktour zurück in die Nordsee!
Nachdem wir uns also nochmal hingelegt und dann später gefrühstückt hatten befanden wir uns bereits am Pier von Amsterdam. Der erste Blick aus unserer Kabine traf auf ein modernes, gläsernes Bürogebäude, welches direkt am Pier, also keine 20m von unserem Balkon stand. Das soll also Amsterdam sein? Nein! Wir packten unseren Rucksack für den ersten Tagesausflug und gingen von Bord. Nach ca. 15min Fußweg erreichten wir die Innenstadt bzw. die touristisch interessantesten Viertel Amsterdams. Der erste Eindruck war eine Mischung aus „die Stadt erwacht gerade von einer harten Partynacht“ und „die Leute gehen nochmal kurz einkaufen bevor sie feiern gehen“!
Man sieht Menschen im Jogginganzug im Supermarkt, Geschäftsleute, die ihre Zeitung in einem Café lesen und jede Menge junger Menschen (offensichtlich auch Touristen) mit Rucksäcken, Isomatten und Sonnenbrillen.
Und über alle dem schwebt ein süßlicher Geruch von Kräutergarten...
Wie ihr alle wisst ist in Amsterdam der Verkauf und Gebrauch von Marihuana, Gras, Dope oder wie auch immer man dazu sagen will völlig legal. Und die Leute machen reichlich Gebrauch davon! Wahrscheinlich sind es hauptsächlich die Touristen, die in ihrem Urlaub die Gelegenheit auf einen legalen Joint nutzen, aber nicht nur. Da sieht man den bereits erwähnten Geschäftsmann im Anzug neben seiner Zeitung eben auch mit einem Joint!
Deshalb die Sonnenbrillen auch bei diesigem Nieselwetter, wie wir es heute hatten! :D
Jedenfalls reicht es um über die Stadt einen permanenten Hauch von Mariuana zu legen.
Aber Gras ist natürlich nicht alles was man hier erleben kann. Auf unserer Tour durch die Stadt sahen wir bereits einige der berühmten Grachten und Kanäle. Da eine der Haupttouristenzonen der Rotlichtbezirk ist, sahen wir auch einige Lokalitäten und Shops, die sich der käuflichen Liebe verschrieben haben. Was heißt „einige“? Dutzende! Im Großen und ganzen ist es wie auch die Reeperbahn in Hamburg, Sexshops, Kinos, Stripclubs reihen sich aneinander. Jedoch eine Besonderheit gibt es! Das s.g. Window-shopping! Man sieht hinter Glastüren und großen Schaufenstern die Damen direkt sitzen und bei Interesse geht man einfach zu ihr in die Kabine, ein Vorhang wird zugezogen und los geht’s...

Am Nachmittag machten wir noch einen vom Schiff organisierten Ausflug durch den „Red-light-Distrikt“ und haben so manche Information über den Bezirk erfahren. So erklärte man uns zum Beispiel wo es das beste Gras zu kaufen gibt und dass die Damen hinter den Glasscheiben im 12-Minuten-Takt abrechen. 12 Minuten – 50€, was das allerding alles beinhaltet haben wir nicht erfahren!
Die Tour endete wie sie begann im Bus zum Cruise-Terminal mit einer Rundfahrt vorbei am Marinemuseum und anderen Amsterdamer Sehenswürdigkeiten.
Wieder auf dem Schiff machten wir uns ein letztes Mal auf zum „Truffles Restaurant“, um dort das leckere Abendbrot zu genießen und uns anschließend die morgends verpasste Schleusendurchfahrt diesmal anzusehen! :D
Nun schaukelt des Schiff wieder etwas mehr, wir befinden uns ja wieder auf offener See!

Das war sie nun - unsere Kreuzfahrt durch die Ost- und Nordsee! Den restlichen Abend verbringen wir nun mit Packen, Blogschreiben und letzten Souveniereinkäufen.

Wir sind, trotz der Freude auf Zuhaus, doch traurig, dass die schöne Zeit an Bord schon vorbei ist und wünschen uns noch länger bleiben zu können!
Die Legend wird diese Reise jetzt noch zwei mal machen, bevor sie eine Tour antritt, die in uns beiden gleich noch mehr das Fernweh weckt. Sie wird die Norwegische Küste entlang bis zum Nordkap fahren bevor sie mit der nächsten Tour um die Britischen Inseln und anschließend nach New York fährt.
Doch für uns heißt es morgen erstmal von Bord zu gehen, einen Kurztrip durch London zu machen und anschließend den Heimflug anzutreten!

Dienstag, 6. August 2013

Sozialstudien im Urlaub

Vom Beginn unserer Reise an, ertappten wir uns immer mal dabei, wie wir, während wir über die Decks flanierten, in sozialwissenschaftliche Gespräche verfielen. :D
An erster Stelle stand dabei immer wieder die Frage, ob es für die Kellner, den Zimmerservice, Putzkräfte ein lohnenswertes Geschäft ist, an Bord eines Kreuzfahrtschiffes zu arbeiten. Über die näheren Arbeitsbedingungen, wie Bezahlung, Arbeits- und Pausenzeiten können wir keine sachlichen Aussagen treffen. Wir sehen nur, wie diese Menschen sich bemühen, um es den Gästen so angenehm wie möglich zu machen. Überall tummeln sie sich herum und putzen, räumen, wischen, grüßen freundlich, wünschen den Gästen einen schönen Tag. Das kann doch nur anstrengend sein. Obwohl auf dieser Reise US-Amerikaner sicher nicht in Überzahl liegen (sehr viele Engländer, Portugiesen, Kanadier und weitere europäische Nationalitäten), kann man ihre Herkunft gut erkennen. Leider nutzen sie den Luxus aus, dass ihnen das Personal ja eh alles hinterherräumt. Der Gast steht in der Hotellerie- und Gastrobranche halt an erster Stelle. Wir weigern uns gegen diesen Trend, essen immer ordentlich auf, räumen unser Geschirr wenigstens zusammen und auch unsere Kabine ist einigermaßen aufgeräumt.
Für uns entwickeln sich zusehends drei Klassen an Bord:
  1. die Gäste; sie dürfen einfach alles, was ihnen Spaß bringt. Hauptsache es gibt keine Beschwerden.
  2. die Crew im oberen Aufgabenbereich; Führungskräfte, etc. 3.
  3. die Crew im unteren Aufgabenbereich, ausführende Tätigkeiten, Putzkräfte, Abräumer, Zimmerservice.
Wir heißen diese Mentalität nicht für gut, können sie aber leider nicht ändern! Wir hoffen einfach, als gutes Beispiel voranzugehen und vielleicht einen positiven Eindruck zu hinterlassen in dem wir dem Personal bei ihrer Arbeit ein wenig entgegen kommen.

An zweiter Stelle unserer Gespräche stand das Thema, dass viele Menschen sich ihrer Körperproportionen nicht scheuen und enganliegende Kleider, Röcke, Hosen anziehen. Da steht man dann eben im engsitzenden Abendkleid an der Pizzatheke, nachts 1 Uhr (hat ja 24 Stunden auf) und befiehlt dem schmächtigen Indonesier, er solle doch bitte eine Peperonipizza herbeizaubern. Dieser steht wahrscheinlich schon seit 9 Stunden am heißen Ofen, wünscht sich den Feierabend herbei, muss den Auftrag aber leider erfüllen. Steht ja so im Arbeitsvertrag.
Der Freiheit sind keine Grenzen gesetzt, alles ist möglich. 



Zu den zwei Seetagen können wir leider nicht viel berichten. Ab und zu konnte man uns auf dem Deck sehen, ein wenig Sonne erhaschen. Am Montag Abend unterquerten wir die große Beltbrücke zwischen Dänemakr und Schweden. Das war ein Riesenspektakel, viel Platz zwischen Schornstein und Brücke war nicht mehr.